ARBEITSHINTERGRUND ....so ist`s :


......Mutter kocht, denkt an die Geburtstagsfeier morgen für den Ältesten, hört gleichzeitig, dass draußen der Bus vorbei fährt, im Kinderzimmer das Baby plaudert und Nachbars Hund wohl wieder den Briefträger verbellt, dessen Mopedgeknatter unverkennbar ist.... - das ist eigentlich ganz selbstverständlich und doch eine bewundernswerte Fähigkeit unseres Gehörs im Zusammenwirken mit dem Gehirn - wenn es damit keine Probleme gibt !

Situation der Menschen mit Hörminderung......

...immer auf Höchstleistung
Für Menschen mit einer Hörminderung ist es um ein vielfaches anstrengender. Gut Hörende haben meist keine Vorstellung, welche Höchstleistungen Hörbeeinträchtigte oft vollbringen, um wenigstens noch teilweise irgendwie am Geschehen um sie herum teilzunehmen.

Oft klappt es auch nur mehr sehr eingeschränkt oder gar nicht.  Mit voller Konzentration wird versucht, wenigstens von einem einzigen Gesprächspartner Wort- oder Satzteile herauszuhören. Ein “Rund-um-hören“, für gut Hörenden selbstverständlich,  ist für sie unmöglich.

...immer hinterher
Alle Aufmerksamkeit richtet sich auf diese Teilinformationen und das Hirn arbeitet stressgeplagt - immer nachhinkend - um durch Auffüllen der Hörlücken mit eventuell passenden Worten irgendwie einen sinnvollen Inhalt zu produzieren (der manchmal zwar logisch aber nicht immer richtig war !) 
Kommunikation bedeutet für schwerhörende Menschen mit hellwachem Geist präsent zu sein - immerzu, hochkonzentriert. Niemals können sie sich voll auf ihr „Ohr“ verlassen, es müssen auch andere Sinne zum Aufnehmen in andauernder Bereitschaft stehen. Um Sprache und Zusammenhänge zu verstehen, wird zusätzlich zum Ohr (Akustik) vor allem das Auge (Optik) und eine überaus gute Kombinationsfähigkeit, welche sich im Gehirn abspielt, benötigt.

....der Weg in die Isolation
Verständlich dass diese Dauerkonzentration ermüdet und es ist darum nicht verwunderlich, dass selbst manchmal ursprünglich recht kommunikative Menschen bald aus Gruppen flüchten.
Hinzu kommt, dass ein Hörbeeinträchtigter trotz all dieser Bemühungen, niemals sicher sein kann, ob er alles gehört bzw. richtig gehört und in weiterer Folge auch richtig verstehen konnte. Diese Unsicherheit wird bald zur Angst als dummer Mensch zu gelten, was viele Betroffene in die unfreiwillige Isolation drängt.

...und zu psychischen Problemen
Die Normen der Kommunikation in unserer Gesellschaft sind selbstverständlich an den Hörenden ausgerichtet. Wir haben es nicht gelernt, unser Verhalten im Kontakt mit Hörbeeinträchtigten so umzustellen, dass es für die Kommunikation wirklich hilfreich ist. Es bleibt gegenwärtig daher den Menschen mit einer Hörminderung nur die Möglichkeit zu versuchen sich laufend diesen Normen anzupassen, auch wenn dies letztlich nicht möglich ist. Dieser stetige Druck, dem sie sich dadurch aussetzen, führt darum verständlich für viele zu großen psychischen Problemen.

...aber es gibt doch ...
Leider ist der Wissensstand im Bezug auf Hörbeeinträchtigung und deren Auswirkungen allgemein sehr gering bzw. ist ein verzerrtes und vereinfachtes Bild vorhanden. Die Vorstellung, lautes Reden hilft doch wohl oder ähnlich wie eine Brille einen Sehfehler korrigieren kann, müsste wohl auch ein Hörgerät eine passende Lösung sein, ist ein grundlegender Irrtum. Den Unterschied erkennen viele erst, wenn sie selbst zu Betroffenen werden. Für so manchem sind die Erfahrungen mit Hörgeräten eher enttäuschend und so landen viele Geräte wieder in den Schubladen.

...die "Komponente Mensch" 
Wie Hörproblemen begegnet werden kann ist sehr komplex und von hoher individueller Unterschiedlichkeit.
Die Entwicklung am medizinischen Sektor in den letzten Jahren hat zwar enorme Fortschritte gemacht, dennoch kann man heute sagen, dass für die größte Beeinträchtigtengruppe (ca.15 - 20% der Bevölkerung !) die Angebote an medizinisch - technischen Hilfen  - die fast immer 100% funktionieren - alleine nicht ausreichend sind.
Trotz aller Technik wiegt die menschliche Komponente ganz wesentlich - zum einen, der Betroffene selbst  - wie er mit der Technik (Hörgerät, Cochlear-Implantat, ...) zurecht kommt und zum anderen ist nach wie vor auch der gut Hörende gefordert ein entsprechendes Verhalten im Umgang mit Hörbeeinträchtigten zu beachten bzw. zu erlernen.



Referat HÖRMINDERUNG .....packen wir`s an !

Betroffene helfen Betroffenen
Aus dieser Erfahrung wuchs das Bewusstsein einiger Betroffener, dass vor allem der Kontakt zu weiteren Betroffenen das eigene Befinden wesentlich erleichtern und verbessern kann und ein gemeinsames Suchen nach Hilfen, die zur Bewältigung und Förderung neuer Lebensfreude beitragen, unbedingt wichtig bzw. eher Erfolg versprechend ist.
Im Bemühen für diese größte Gruppe der Hörbeeinträchtigten eine entsprechende Beratungs- und Betreuungsstelle zu schaffen, wurde  im Juni 2002, im Entstehen des ZENTRUM HÖREN, ein eigenes, spezielles Referat für Hörminderung aufgebaut  - durch Selbstbetroffene -  denn sie sind doch die eigentlichen Experten in eigener Sache und wissen wovon sie reden.

Zusammenarbeit

Auch wenn das (Darüber-)Reden schon sehr hilfreich sein kann, ist mehr notwendig, um ein entsprechendes Angebot für Rat- und Hilfesuchende bereitstellen zu können.
Als Kooperationsgruppe entstand darum auf Anregung des "Referat Hörminderung"  im Juni 2003 die "Arbeitsgemeinschaft für Schwerhörige" mittlerweile in "Arbeitsgemeinschaft Hörminderung" umbenannt, die sich bei regelmäßigen Treffen, diversen Aktionen,
Workshops, Bildungskursen, Seminaren, Vorträgen, Informationsveranstaltungen, Studienreisen usw. intensiv mit allem was mit Hörbeeinträchtigung zu tun hat, befasst.




ARBEITSINHALT ....das machen wir :

Information und Beratung

Umfassende, breite Information (bzw. Vermittlung) bzgl. med.-techn. Hilfen (Hörgeräte, CI, Operation...) spezielle Kurse, Veranstaltungen und  Bildungsangebote, Kontaktmöglichkeiten,  technische Hilfsmittel (Wecker....) u.a. über unsere Beratungsstelle / ZENTRUM HÖREN

Betreuung und Begleitung
Verständnisvolle Situationsanalyse und individuelles Betreuungsangebot für Betroffene und deren Angehörige bzw. Eltern , ggf. Begleitung in Zusammenarbeit mit dem Sozialreferat / ZENTRUM HÖREN,
Betreuung und außerschulische Begleitung von hörbeeinträchtigten Kindern und Jugendlichen

Interessensvertretung und Kooperation
Information und Beratung öffentlicher Stellen bzw. Vertretung und Schutz der Interessen Betroffener in Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden.
 


KONTAKT:

    ZENTRUM HÖREN   /   Referat Hörminderung      

        Referatsleitung:    Waldhauser Josefine (schwerhörig)

                       Tel:  0660/2580258 (eingeschränkt möglich)   

                   e-mail: rhmzentrumhoeren.at